| Ein junger Hund soll angeschafft werden
. . . |
Eine große Entscheidung ist gefallen - die Entscheidung
für ein „neues Familienmitglied“. Für neue
und zusätzliche Verantwortung, für zusätzliche
Aufgaben und für zusätzliche Sorgen aber auch für
neue Herausforderungen und für sehr viel Spaß, für
sehr, sehr viel Freude, im Zusammenleben mit dem vierbeinigen
Kameraden.
Nach der prinzipiellen Entscheidung wurden Bücher angeschleppt
und sämtliche „Hundeexperten“ in der Bekanntschaft
genauestens befragt. Schließlich hat sich der Familienrat
auf eine Rasse geeinigt – obwohl eigentlich vieles für
einen Mischling gesprochen hätte ( so ganz einfach aus der
Fundgrube oder aus der Tierecke einer Zeitung, ohne Stammbaum
und ohne klingenden Zwingernamen).
Nun steht aber die nächste ganz große Entscheidung
an: wo „findet man“ einen Welpen der entsprechenden
Rasse? In Zeitungsannoncen werden zwar viele Mischlinge angeboten,
junge wie ältere, und die würden sich sicher alle ein
schönes, neues „zu Hause“ verdienen, aber man
hat sich eben auf eine bestimmte Rasse geeinigt. Als nächstes
werden die Tierheime in der Umgebung abgeklappert – per
Internet sogar das Tierschutzhaus Zürich. Das Ergebnis ist
sehr ernüchternd: viele, viele traurige Augenpaare, viele
sehnsüchtige Beller – am liebsten würde man sie
alle mitnehmen oder möchte sie zumindest aus ihren Käfigen
befreien. Aber was würde dann der Rest der Familie wohl
sagen, zumal man sich’s bei der Entscheidung für die
Um vieles erfreulicher gestaltet sich dann der Besuch einiger
Zoohandlungen. Die einheitliche Auskunft ist die, dass ein Welpe
dieser eher seltenen Rasse leider gerade nicht angeboten werden
kann, aber alles kein Problem: innerhalb weniger Wochen könne
man einen solchen besorgen. Natürlich von einem seriösen
Züchter, mit Papieren und bereits einmal geimpft . . .
Sehr interessant dann ein Anruf beim Österreichischen
Kynologenverband (kurz ÖKV – das ist der Dachverband der Hundezüchter)
bzw. die Auskunft, dass in Österreich der nächste Wurf
dieser Rasse in cirka fünf Wochen geboren werden wird, somit
erst in etwa 3 Monaten abgegeben werden kann! Name und Adresse
des Züchters werden angegeben sowie seine Telefonnummer.
Die Entscheidung wird dadurch nicht wirklich leichter. Zusätzlich
zu der relativ langen Wartezeit auf einen Welpen „direkt
vom Züchter“ ist auch noch der Preis ein wesentlich
höherer als in der Zoohandlung angeboten.
Als Tierarzt, der sich seit vielen Jahren
mit den gesundheitlichen Problemen vor allem junger Hunde beschäftigt, rate ich jedem „zukünftigen
Hundebesitzer“, bei der Anschaffung seines Welpen nur
nicht zu eilen. Und ganz falsch ist es, die Entscheidung alleine auf
Grund eines „besonders günstigen“ Kaufpreises
zu treffen. Längerfristig gesehen stellt der Kaufpreis nur
einen Bruchteil der Kosten dar, die Ihnen Ihr Liebling in den
nächsten Jahren verursachen wird. Auf längere Sicht
gesehen werden sicher die Futterkosten den Löwenanteil darstellen
(vielleicht sollte die Entscheidung für einen Bernhardiner
doch nochmals überlegt werden!?). Am günstigsten ist
natürlich ein kleinerer Mischling – sowohl in der
Anschaffung als auch bezüglich der laufenden Kosten. Zusätzlich
sind Mischlinge meist wesentlich weniger krankheitsanfällig
üchteten Rassen!
Ein weiterer wichtiger Faktor, der leider viel zu wenig beachtet
wird, ist die Herkunft des Welpen. Anerkannte Züchter, die
sich den Bestimmungen des ÖKV unterwerfen, müssen nachweisen,
dass ihre Elterntiere frei von bestimmten Erbkrankheiten (wie
z.B. Hüftgelenksdysplasie) sind. Natürlich ist das
noch keine absolute Garantie für gesunde Welpen, die Chancen
sind aber auf jeden Fall besser! Ganz besonders wichtig ist es,
den Umgang des Züchters mit seinen Tieren zu beurteilen.
Daß die Hunde sauber und hygienisch einwandfrei gehalten
werden, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Sehr wichtig
ist aber auch der frühe Kontakt der Welpen mit dem Menschen.
Züchter, die wirklich mit Herz bei der Sache sind, verbringen
täglich sehr viel Zeit bei den jungen Hunden und ihrer Mutter,
nehmen die Hundebabys immer wieder in die Hand, spielen mit den
kleinen Hunden, und kennen von jedem einzelnen die besonderen
Charaktermerkmale. Auch als Hundeneuling werden Sie erkennen,
dass sich diese Welpen ganz offensichtlich über den Besuch
von Menschen freuen! Nützen Sie unbedingt die Chance, den
Wurf in seiner natürlichen Umgebung zu besichtigen – lassen
sie sich auf keinen Fall mit netten Erzählungen abspeisen
und dem freundlichen Angebot, man werde sich zur Übergabe
In der täglichen Praxis muß ich leider eine deutliche
Zunahme von wesensgestörten Hunden beobachten. In den allermeisten
Fällen kann man davon ausgehen, dass Fehler in den
ersten Lebenswochen (Prägungsphase) die Ursache für später
auftretende Verhaltensstörungen sind. Daher mein
dringender Appell an zukünftige Hundebesitzer: kaufen Sie keinen Welpen,
ohne auch die Mutter gesehen zu haben, und schauen Sie Sich unbedingt
die „Kinderstube“ ihres zukünftigen Kameraden
sehr genau an!
|